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Dienstag, 25. Juli 2017
Vom Brauchtum der Zimmerleute
 
RichtkroneDer Richtspruch ist ein fester Bestandteil beim Richtfest (auch Weihefest, Hebefest, Aufschlagfest genannt).
 
Wenn auch heutzutage Bauwerke in viel kürzerer Zeit und mit beträchtlich weniger rein menschlicher Kraft und Anstrengung erstellt werden als früher, so hat der erste Bauabschnitt, die Errichtung des Rohbaus mit dem Richten des Dachstuhls, doch immer noch seine besondere Bedeutung.

Als erster Schmuck des neuen Hauses und als sichtbares Zeichen für die gelungene Arbeit dient der Richtkranz, welcher von den Zimmerleuten an einem Lexikon: Gespärre Gespärre befestigt wird.

Echte Zimmerleute, die mit Hand und Verstand gearbeitet haben, sind auch heute noch darum bemüht, diesen alten Brauch des Zimmererhandwerks zu pflegen und aufrecht zu erhalten.


Zum Richtfest gibt der Richtspruch dem Dank an den Architekten, den Bauherrn, an alle an diesen Bauwerk Mitwirkenden sowie der Freude über die vollendete Arbeit Ausdruck. Und er bringt zweifellos auch den Stolz der Zimmerleute auf ihr Handwerk, ihr Brauchtum und ihre Kollegen zum Ausdruck. Er beschwört das Glück für den Bau. Auf daß es alle, die da ein und ausgehen, schütze.

Die wesentlichen Elemente in einem jedem Richtspruch sind deshalb die Freude über das vollbrachte Werk, der Dank an den Herrgott, der Dank an den Bauherrn, ein Lob und Hoch auf Planung, Bauleitung und Handwerker.
 
Entstehung und Sinn der Richtsprüche
 
Geschichtlich findet der Richtspruch mit der Entstehung der Zünfte im frühen Mittelalter und eines abgegrenzten, eigenen Zimmerhandwerkserstmals seine Erwähnung.
Mit der Zeit sind die Richtsprüche fester "zünftiger Brauch" geworden.

Der Richtspruch hat keineswegs etwas mit Zauberformeln oder Beschwörungen zu tun. Er entspricht eher dem Sinn eines Gebetes, denn er bittet um den Segen Gottes für das Haus. Auch danken die Zimmerleute dem Allmächtigen für seinen Schutz während ihrer Arbeit und daß er alle Gefahren von ihnen abgewendet hat. So wenden Sie oft, um alle Anwesenden daran zu erinnern, nach Ende des Richtspruches den Blick zum Himmel.

Das Richtfest ist vom Sinn her das ureigene Fest der Handwerker, die durch ihrer Hände Arbeit das Bauwerk erstellt haben. Sie sind die Hauptpersonen, mit denen alle Anwesenden das glückliche Gelingen des Baus feiern - und das Feiern ist ihnen hier das Wichtigste. Es ist der Ausdruck des Zusammenhaltes und des guten Miteinanders und der Freude an ihrem Handwerk und ihrer Tradition.

Speziell vom Zimmerhandwerk werden die Traditionen heute wieder zunehmend geachtet und bewahrt, sei es nun dieWalz, die 3 Jahre und 1 Tag dauert und ganz besonderen Regeln unterliegt, oder das Tragen der traditionellen Kluft. Die Zimmerleute zeigen auf vielfältige Art und Weise, daß Brauchtum und Berufsehre auch in unserer heutigen Zeit einen hohen Stellenwert einnehmen können. Sie sind sehr stolz auf ihr Handwerk und wachen auch darüber, dass ihr Jahrhunderte alter Brauch respektiert und bewahrt wird.

Und die Bauherren sollten ihrem Respekt durch ein gutes Mahl und ein zünftiges Richtfest Ausdruck verleihen: denn zum Richtfest lädt der Bauherr. Dem Kreis der Gäste und Teilnehmer gehören an: Bauleute, die bislang am Bau tätig waren, Meister, Gesellen, Lehrlinge und Helfer, Architekt und Bauleiter sowie der Bauherr mit Angehörigen. Aber das Richtfest ist nach wie vor das ureigene Fest der Werkleute.

 
Mit Gunst und Verlaub!

Die Feierstunde hat geschlagen,
es ruhet die geübte Hand.
Nach harten, arbeitsreichen Tagen
grüßt stolz der Richtbaum nun ins Land.

Und stolz und froh ist jeder heute,
der tüchtig mit am Werk gebaut.
Es waren wack´re Handwerksleute,
die fest auf ihre Kunst vertraut.

Drum wünsche ich, so gut ich´s kann,
so kräftig wie ein Zimmermann,
mit stolz empor gehobnem Blick
dem neuen Hause recht viel Glück.
 
Wir bitten Gott, der in Gefahren
uns allezeit so treu bewahrt,
er mög´ das Bauwerk hier bewahren
vor Not und Schaden aller Art.
Nun nehm´ ich froh das Glas zur Hand,
gefüllt mit Wein bis an den Rand,
und mit feurigen Saft der Reben
will jedermann die Ehr´ich geben,
wie sich´s nach alten Brauch gebührt,
wenn so ein Bau ist ausgeführt.

Das erste Glas der Bauherrschaft:
Hoch soll sie leben, hoch, hoch, hoch!

Nun brauchte man zu allen Zeiten
nicht nur den Kopf, nein auch die Hand.
Drum noch ein Hoch den Zimmerleuten,
durch deren Kraft der Bau erstand.
Hoch sollen sie leben, hoch, hoch, hoch!

Nun ist das Glas wohl ausgeleert
und weiter für mich nichts mehr wert,
drum werf´ ich es zu Boden nieder -
zerschmettert braucht es keiner wieder;
doch Scherben bedeuten Glück und Segen
der Bauherrschaft auf allen Wegen!

Mit Gunst und Verlaub!

Verhallet sind des Beiles Schläge,
verstummt ist die geschwätzige Säge;
drum preiset laut der Zimmermann
– so gut wie er es eben kann –
den herrlich schönen, stolzen Bau,
der sich erhebt zum Himmelsblau,
der unter unseres Meisters Hand
zu aller Freude hier erstand.

Nun müssen andre noch vollenden
den Bau, mit kunstgeübten Händen,
das Innere sorgsam schmücken aus,
dann wird´s fürwahr ein prächtig´ Haus.
Mög Eintracht und Zufriedenheit
darinnen herrschen allezeit.
Mög´ Lieb´ und Freundschaft schwesterlich
am heim´schen Herd begegnen sich.

Mög´ Gott in diesem Hause sein! –
Darauf trink ich den Becher Wein.
Dem Bauherrn, seiner Familie
und allen Anwesenden
ein dreifaches Hoch! Hoch! Hoch!

Richtspruch
 
Zum Giebel bin ich hochgestiegen,
um hier zu reden mit Vergnügen.
Den Bauherrn und die lieben Seinen
und alle, die sich hier vereinen,
die Baugenossen und die Gäste
begrüße ich zu diesem Feste.

Dem Architekten, der zum Bau
den Grundriss hat erdacht genau,
dem Maurermeister, der sodann
das Werk mit sicherer Hand begann
sei heut ein volles Glas geweiht
mit Glück und Heil zu aller Zeit.

Nicht minder sollen die Gesellen,
die mit den Äxten und den Kellen
gezimmert und gemauert hier
ein Segenswort erlauben mir.

Prost!
 
Gott schütze dieses neue Haus
und alle, die da gehen ein und aus.
Er schütze auch vor dieser Tür
das Finanzamt und den Gerichtsvollzieher.

Prost!

Wenn nun das Glas in Scherben springt
noch einmal unser Gruß erklingt
hinaus mit Freude und Gebraus:
Glück und Segen diesem Neuen Haus!

 


Mit Gunst und Verlaub
 
Hochgeehrte Herren und Frauen,
liebe, werte Bürgersleute,
die ihr diesen Bau zu schauen
heut' hierher gekommen seid:

Hier mit diesem Saft der Reben
trink ich jetzt nach Handwerksbrauch:
Hoch soll unser Bauherr leben
und die Herrin lebe auch:

Hoch! Hoch! Hoch!

Ha, wie gut ist dies Getränk!
Bruder, schenk dir auch eins ein,
sei nicht schüchtern, sondern denke:
Heute spart man nicht am Wein.

Nein, der Bauherr denket heute
unseres Dienst's mit vielem Dank,
und wir dürfen -- merkt's, ihr Leute --
jetzt nicht sparen seinen Trank.
Bruder, reich ein zweites Glas,
nochmal muß die Stimm' ich heben:
Jeder beißt einmal ins Gras,
darum laßt sie heute leben,
die da Stein und Mörtel trugen
und die Mauern wohl gesetzt,
Balken schleppten, s'Dach aufschlugen,
daß der Schweiß die Stirn genetzt.

Jetzt muß ich ein Lob noch spenden
ihm, der diesen Plan gemacht,
dann will ich mein' Spruch beenden,
es lebe hoch die Bauherrschaft!

Mein Trunk sei diesem Haus geweiht,
es stehe fest in Ewigkeit!
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Die Marke Original Bielefelder Berufs- und Zunftkleidung existiert bereits seit über hundert Jahren. Eine Tradition, die mit der Fa. Mosberg begann. Seit 1948 fertigen die Höhne & Mischke GmbH & Co. KG, die Original Bielefelder Zunftkleidung.
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